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                                    Die Welt hat ein Ziel vor Augen: Ab 2050 soll die Menschheit nicht mehr Treibhausgase aussto%u00dfen, als sie langfristig binden kann. Der Weg zu diesem Ziel ist eine tiefgreifende und %u00e4u%u00dferst herausfordernde Transformation unserer Energieproduktion und des Energieverbrauchs. Informationstechnologie spielt auf diesem Weg eine Schl%u00fcsselrolle, denn es braucht Intelligenz und Effizienz, um die Transformation zu meistern. Daten erm%u00f6glichen gezieltes Handeln, doch sie m%u00fcssen generiert, verarbeitet und gespeichert werden k%u00f6nnen. Hierf%u00fcr braucht es wiederum: Energie. Sauber, g%u00fcnstig und vor allem viel davon.Energie ist der Dreh- und Angelpunkt f%u00fcr die Digitalisierung und Dekarbonisierung. Strom ist dabei der Leitstern. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen bei Mobilit%u00e4t, Geb%u00e4ude oder Industrie bedeutet eine fl%u00e4chendeckende Elektrifizierung. Und auch IKT ben%u00f6tigt Strom. Der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen der Schweiz werden in den n%u00e4chsten Jahrzehnten weiter sinken %u2013 trotz wachsender Wirtschaft. Doch der Stromverbrauch wird zunehmen. Sch%u00e4tzungen gehen davon aus, dass unser Land die Stromproduktion bis 2050 etwa verdoppeln muss, um den wachsenden Bedarf zu decken.Wo Strom an Grenzen st%u00f6%u00dftTreibt man einen Motor mit Strom an, bleibt wenig Energie ungenutzt %u2013 der Wirkungsgrad ist hoch. Das ist ein enormer Vorteil, beispielsweise im Vergleich zu Verbrennungsprozessen, die viel Abw%u00e4rme erzeugen. Doch es gibt Bereiche, wo Strom als Energietr%u00e4ger an Grenzen st%u00f6%u00dft: Hochtemperaturprozesse in der Industrie zum Beispiel. W%u00fcrde man einen Zementofen mit Strom auf 1.000 bis 2.000 Grad erhitzen, w%u00e4re dies sehr ineffizient, teuer und unzuverl%u00e4ssig. Fossile Brennstoffe haben hier bessere Eigenschaften, sie erreichen die notwendigen Temperaturen einfacher und konstanter. Um dennoch CO2-Emissionen reduzieren zu k%u00f6nnen, braucht es hier folglich erneuerbare Alternativen mit %u00e4hnlichen Eigenschaften. Und da kommt Wasserstoff ins Spiel. Wasserstoff ist das h%u00e4ufigste Element im Universum. Und es ist ein hervorragender erneuerbarer Energietr%u00e4ger. Mit einem Brennwert von 39 kWh/kg schneidet Wasserstoff deutlich besser ab als beispielsweise Erdgas mit 8 bis 11 kWh/kg. Diese hohe Energiedichte ist auch n%u00fctzlich, da Wasserstoff grunds%u00e4tzlich sehr lange gespeichert werden kann %u2013 eine weitere Parallele zu den Fossilen. Batterien k%u00f6nnen zwar deutlich h%u00f6here Energiedichten erreichen. Doch die Verluste %u00fcber l%u00e4ngere Speicherzeiten machen sie beispielsweise f%u00fcr die saisonale Stromspeicherung unpraktisch. Last but not least l%u00e4sst sich Wasserstoff unter den richtigen Bedingungen umweltfreundlich herstellen und verbrennen. Mittels Elektrolyse entsteht aus erneuerbarem Strom und Wasser H2 und Sauerstoff und bei der Verbrennung wiederum Wasser. Ein geschlossener Kreislauf.Wasserstoff: Das perfekte Puzzleteil All diese Eigenschaften machen Wasserstoff zu einem idealen Puzzleteil in einer erneuerbaren Energiewelt. Das Molek%u00fcl erg%u00e4nzt Strom dort, wo dies technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, und tr%u00e4gt so zu einer h%u00f6heren Versorgungssicherheit bei. Diese Sichtweise ist weit verbreitet. So geht die internationale Energieagentur IEA davon aus, dass sich die globale Wasserstoffnachfrage bis 2050 mehr als vervierfacht. Beschr%u00e4nkt sie sich heute auf Anwendungen mit H2 als industriellem Rohstoff, wird demnach k%u00fcnftig in der Mobilit%u00e4t, Industrie und Stromerzeugung viel Wasserstoff eingesetzt. Auch die EU glaubt an dieses Potenzial. Sie m%u00f6chte bereits bis 2030 die Infrastrukturen und Voraussetzungen schaffen, um jedes Jahr 10 Millionen Tonnen %u201egr%u00fcnen%u201c Wasserstoff herzustellen. Daneben soll die gleiche Menge aus Drittstaaten mit gro%u00dfen Produktionsanlagen importiert werden. Ein %u201eEuropean Hydrogen Backbone%u201c soll als Verteilnetz daf%u00fcr sorgen, dass die Energie ihren Bestimmungsort erreicht.Zugegeben, die Pl%u00e4ne klingen hochtrabend. Und sie sind es vielleicht auch. Dreistellige Milliarden-Investitionen sind rund um Wasserstoff global angek%u00fcndigt. Realisiert ist bisher noch wenig. Das zeigt vor allem: Die Skalierung ist eine enorme Herausforderung. Der Aufbau einer Wasserstoffproduktion, -logistik und -verwendung ist ein Generationenprojekt, bei dem zwar bestehende Voraussetzungen wie das Gasnetz genutzt werden k%u00f6nnen. Vieles ist aber Neuland. Doch wer nichts wagt, gewinnt auch nichts.Zu gewinnen gibt es einen Beitrag an die Versorgungssicherheit und ein weiteres Werkzeug f%u00fcr die Wirtschaft auf dem Weg zu Netto-Null 2050. Aktuelle Studien zeigen, dass rund drei Viertel der Energienachfrage in der Schweizer Industrie wohl aus technischer Sicht elektrifizierbar sind. 23
                                
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